Projekt POP!
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Projekt POP! ist eine Initiative der AKM
 
     
 

projekt pop! Gesamtkonzept

Ein Artikel aus den AKM-Informationen

Der Vorstand der AKM hat im Jahr 2000 pop!-Projektleiter Harry Fuchs mit der Erstellung eines effizienten, umsetzungsrelevanten, zukunftsweisenden Konzepts zur Förderung der österreichischen Popmusik unter Beiziehung von Experten beauftragt. Die Konzepterstellung fußt dabei auf insgesamt vier Eckpfeilern: Expertisen von Fachleuten zu relevanten Themenbereichen, Fachgespräche mit Opinion Leadern der Musikbranche, Literaturrecherche und eine Diskussion mit Bezugsberechtigten. Im folgenden eine Zusammenfassung des mehr als 400 Seiten starken Konzepts:

Popmusikförderung ist Kultur- und Wirtschaftsförderung
Einem umfassenden Konzept zur Förderung der Popmusik ist natürlich die Frage nach dem Grund und der Sinnhaftigkeit einer Förderung in diesem Bereich voranzustellen. Schließlich setzt ihre Beantwortung ja letztendlich auch die Eckpfeiler für die Art und Weise der Förderung eines nicht einhellig als förderungswürdig oder gar förderbedürftig anerkannten Kulturgutes. Die Frage ist dabei auf der eine Seite in den aktuellen Kontext der Kulturpolitik zu setzen. Die Popmusikförderung konnte sich hierzulande noch nicht - wie beispielweise in Schweden, Irland, Frankreich, den Niederlanden oder ansatzweise in Deutschland - flächendeckend als eine wichtige, kulturpolitische Aufgabe etablieren und ist mehr als die Förderung anderer Kultursparten an das persönliche Engagement sachkundiger Politiker und Entscheidungsträger gebunden. Das von kulturpolitischer Seite oft vorgebrachte Argument, -was wirtschaftlich erfolgreich sei, müsse nicht gefördert werden-, ist insofern zu entkräften, als ein Großteil der Popmusikschaffenden wirtschaftlich nicht erfolgreich ist. Bereits im Jahr 1997 wurde in einem Bericht des Instituts Mediacult festgestellt, dass Österreich ein Kategorie D-Land ist, das sich durch seine kleine Marktgröße, mit einem kleinen Anteil an nationalem Repertoire im eigenen Land und seiner Bedeutungslosigkeit nationaler Produktionen am internationalen Musikmarkt auszeichnet. Solche Länder werden in der Literatur auch als colonies bezeichnet, in denen langsam aber sicher jegliche musikalisch-kulturellen Aktivitäten (wie zB. musizieren, live spielen, nationale Veröffentlichungen oder nationales Airplay) verschwinden werden. Über den kulturellen Aspekt hinaus ist in Hinblick auf die Förderungswürdigkeit von Popmusik ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor, als Eckpfeiler der Jugendkultur sowie als Faktor zur Bildung und Erstarkung einer nationalen Identität zu unterstreichen. Erst durch die Partnerschaft Musiker-Produzent-Medien kann sich der Musiker und damit die Popmusik-Kultur allgemein entfalten. Wenn diese Struktur jedoch von öffentlicher Seite nicht unterstützt und damit langfristig der Selbstauflösung preisgegeben wird, kann sich niemals eine funktionierende musikindustrielle Infrastruktur entwickeln. Nicht die großen Tonträgerfirmen, mit finanzstarken Partnern aufgebaute Mega-Tonstudios und die arrivierten Medien, sondern ganz besonders die vielen kleinen Labels, Studios, kreative Produzenten sowie engagierte und von engagierten Enthusiasten publizierten Medien sind es, die der gesamten Bandbreite der musikalischen Vielfalt den zum Gedeihen nötigen Nährboden bieten können. Daher ist Popmusikförderung in Hinblick auf ihren ökonomischen Aspekt also als effiziente Wirtschaftsförderung zu verstehen. Die Musikwirtschaft ist einer der wenigen nach wie vor expandierenden Wirtschaftszweige unserer Zeit. Die erzielten Umsätze haben konsequenterweise positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In diesen Bereich zu investieren ist mittel- bis langfristig betrachtet zukunftsorientiert und außerordentlich ertrags-versprechend. Vor diesem Hintergrund sind besonders das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftskammer gefordert, den Kulturbereich - und damit auch den Bereich der Popmusik-Wirtschaft - als förderungswürdig anzuerkennen und zu akzeptieren, dass Popmusik nicht nur eine wichtigen gesellschafts- und kulturpolitischen Stellenwert hat, sondern mittlerweile eben auch als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zu sehen ist.
In den Fachgesprächen haben sich einige grundsätzliche Defizite in der österreichischen Popmusikförderung als vorrangig eminent herausgestellt. Dies festgestellten Defizite gehen weitestgehend Konform mit den im Rahmen der 1.Konferenz zur Förderung der Popmusik in Deutschland von Lothar Surey georteten Defiziten:
- Trotz einer bereits über 30-jährigen Geschichte österreichischer Popmusik mangelt es an einer entsprechenden Akzeptanz dieses Kulturgenres als auf einer breiten Ebenen förderungswürdiges Kulturgut seitens der Politik und damit der öffentlichen Hand.
- Es gibt keine funktionierende Informationsstruktur der am Förderprozess beteiligten Gremien und Entscheidungsträger.
- Im Bereich der Popmusikförderung existiert keine funktionierende Kommunikationsstruktur, die zu einem effizienten Netzwerk ausgebaut werden kann.
- Es existiert keine landesweit operierende, übergeordnete Koordinierungsstelle, die als zentrale Anlaufstelle für einen Informationstransfer und eine kompetente Fachberatung sorgen kann.

Duales Fördermodell / Pyramidenmodell / Controlling
Die Pomusikszene in Österreich weist in allen Bereichen Defizite auf. Ein umfassendes Konzept zur Förderung der Popmusik in unserem Land muss daher alle Bereiche und Rahmenbedingungen umfassen, die ursächlich mit diesem Musikgenre zu tun haben. Dabei ist prinzipiell zwischen zwei grundsätzlichen Ansätzen zu unterscheiden: Strukturelle Förderung und konkrete Projektförderung.
Einerseits muss eine Förderung als strukturelle Förderung angelegt sein, das heißt konkret, vorhandene Rahmenbedingungen im Sinne der heimischen Popmusik zu verändern beziehungsweise die nötigen Rahmenbedingungen überhaupt erst zu schaffen. Naturgemäß kann eine strukturelle Förderung hauptsächlich über die Mechanismen Lobbying und Bewusstseinsbildung in allen relevanten Bereichen, sprich von der Politik und den Medien über die Wirtschaft und öffentliche potentielle Finanzierungsstellen bis hin zur Musikbranche an sich und zur Öffentlichkeit allgemein erfolgen. Neben der strukturellen Förderung muss die Förderung in Form konkreter Förderprojekte in den unterschiedlichsten Bereichen stattfinden: Tonträgerproduktion zu Promotionzwecken oder für kommerzielle Nutzung, Veranstaltungsprojekte und Wettbewerbe, Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit für österreichische Produkte im In- und Ausland, Schaffen von Publizität in jeder Art von Medien sowie Informations- und Beratungstätigkeit für und im Sinne der Urheber und Musiker sind Stichworte in diesem Zusammenhang.
Neben der Dualität Strukturförderung/Projektförderung muss Popmusikförderung auch auf den jeweiligen Professionalisierungsgrad der zu Fördernden Rücksicht nehmen: Daraus ist ein differenziertes Fördermodell abzuleiten, das in Form einer Pyramide zu sehen ist und die Basisförderung (Förderung von Hobby-Musikern), die Förderung des Mittelbaus (Förderung von Amateuren und Spitzenförderung (Förderung von Profis) beinhaltet.
Es werden in Österreich einige von ihrem budgetären Umfang recht ansehnliche Popmusikwettbewerbe und Förderprojekte durchgeführt, die teilweise von öffentlicher Hand gestützt werden. Es stellt sich die Frage, wie weit die zweckmäßige und effiziente Nutzung öffentlicher Fördergelder einem Controlling und einer Evaluierung unterliegt beziehungsweise unterliegen sollte. Um eine Evaluierung von Popmusikförderung sinnvoll durchführen zu können, empfiehlt sich die Installierung eines fachlich versierten Gremiums, das kompetent, unabhängig und objektiv genug ist, qualitätsbezogene Klassifizierungen zu bilden - nicht nur im betriebswirtschaftlichen als besonders auch im Sinne einer Etablierung qualitätsorientierter Langzeitmodelle.

Bewusstseinsbildung / Lobbying / Vernetzung
Um die strukturellen Ziele innerhalb des vorliegenden Popmusikförderungskonzepts verwirklichen zu können, ist eine zielgerichtete, geplante und kontinuierliche Bewusstseinsbildung, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit unverzichtbar. Es gilt ein Büro/eine Schnittstelle/einen Mediator zu installieren, der gleichsam als Firma der Szene fungiert und einerseits Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung und Lobbying betreibt, andererseits jene Aktivitäten professionalisiert und weiterentwickelt, die in einzelnen Musikinitiativen in beschränktem Rahmen bereits stattfinden. Ein solches Pop-Büro deklariert sich als Dienstleister gegenüber der österreichischen Popmusikszene und -branche.
Als Argumentationsgrundlage gegenüber der Politik für die Sinnhaftigkeit einer Popmusikförderung sind nach wissenschaftlichen Kriterien erhobenes Datenmaterial, wissenschaftliche Untersuchungen und aussagekräftige Studien unabdingbar. Durch die Vergabe von Prämien für (studentische) wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Österreichische Popularmusik könnte die Quantität und Qualität einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung deutlich steigen. Weiters empfiehlt sich - nach dem Vorbild der Konferenz zur Förderung der Popularmusik in Deutschland - die Durchführung einer Konferenz, in der die Zielsetzungen einer sinnhaften, umfassenden Popmusikförderung für Österreich im Diskurs mit der Politik und der Wirtschaft formuliert und Lösungsstrategien entwickelt werden könnten. Die Politik ist aufgefordert, sich verstärkt einer Förderung der Popmusik sowohl in Form einer Breiten- als auch einer Spitzenförderung zuzuwenden. Die Qualifizierung von Musikern und zum Teil ihrer Ausbilder muss verbessert werden. Weiters ist es erstrebenswert, dass Popmusik letztendlich als Teil der Musikkultur dieses Landes gewürdigt wird; ihre Existenz ist zu sichern und der erforderliche und angemessene Entfaltungsraum zu schaffen. Alle Fördermaßnahmen und alle Bemühungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen müssen auch in den als Popmusik bezeichneten Musikbereichen wie in der Musikförderung insgesamt die Qualifizierung der Musiker und damit eine Qualitätssteigerung der Musik zum Ziel haben.
Im Schlussbericht der 2.Konferenz zur Förderung der Popmusik in Deutschland kam deutlich zum Ausdruck, dass eine effektive Popmusikförderung nur gewährleistet werden kann, wenn es zu einer Vernetzung aller an der weiteren Entwicklung des Bereichs Popmusik interessierter Stellen wie Kulturbehörden, Medien, Musikwirtschaft (Verlage, Tonträgerindustrie, Studios, Produzenten, Veranstalter, Liveclubs, Agenturen, Managements), Pädagogik, Institutionen und Initiativen sowie natürlich den KünstlerInnen selbst kommt. Durch Vernetzung können schon vorhandene, für die Popmusikförderung jedoch noch brachliegende Ressourcen sinnbringend genutzt werden.
Im Kontext einer umfassenden Förderstrategie darf die Durchführung von Wettbewerben nicht vernachlässigt werden. Eines der großen Mankos von Popmusik-Wettbewerben ist jedoch die Ineffizienz bei der Nachbetreuung und Weiterentwicklung der siegreichen KünstlerInnen und Bands. Grundsätzliches Ziel muss es also sein, die österreichischen Popmusikwettbewerbe besonders für erfahrenere KünstlerInnen und Bands attraktiver zu gestalten. Dies kann nur mit Hilfe eines Hauptpreises geschehen, der für die Sieger einen mess- und erfahrbaren Karrieresprung bedeutet. Da es nicht möglich sein wird, für mehrere oder gar alle in Österreich durchgeführten Wettbewerbe als Siegerpreis ein attraktives Gesamtförderungspaket anzubieten, empfiehlt sich die Installierung eines Meta-Wettbewerbes, der schon vorhandene und etablierte Wettbewerbe nicht verdrängen, sondern für deren Sieger eine weiterführende Karrierechance bieten soll. Ein solches, umfangreiches Förderpaket ist nur durch die Einbeziehung von starken, strategischen Partnern möglich.

Popmusikförderung & Ausbildung
Betreffend die musikalische Ausbildungssituation in den Schulen ist unter den Musiklehrern die Akzeptanz von Genres der Popmusik deutlich gestiegen, andererseits stehen einer kreativen Auseinandersetzung mit Pop, Rock, Jazz, Folk, Dance, Schlager etc. nach wie vor eine lange Liste von Unzulänglichkeiten und Widersprüchen entgegen. Zudem ist Jugendkultur per se ein zwar mit Schule verwobener, aber wesentlich außerhalb stattfindender Freiraum Heranwachsender. Ein Umgang mit jugendkulturell bedeutsamen Musikarten verlangt daher vom Lehrer nicht nur künstlerische sondern auch soziale Kompetenz. Schüler wollen vielfach die Kompetenzen von Lehrern und die infrastrukturellen und sozialen Möglichkeiten von Schulen nutzen. In diesem Zusammenhang wäre eine Flexibilisierung von Zugangsmöglichkeiten und eine Unterstützung von ambitionierten Lehrern, die Schüler künstlerisch fördern wollen, dringend notwendig. Es sollte ein Musikgymnasium mit Schwerpunkt Popmusik geben. Ein vielversprechender Ansatz scheint die Beteiligung von Lehrern und Schülern an größeren schulinternen beziehungsweise überregionalen Projekten zu sein. Ein neues, österreichweites Großprojekt in dieser Richtung würde der multimedialen Struktur von Popmusik entsprechen. Ein Modell eines solchen Großprojekts wurde von Mag.Dr.Harald Huber von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst unter dem Titel -Soundtrack- entwickelt.
Eine langfristige Veränderung des Umgangs mit Kunst und Kultur in Schulen, Musikschulen und verwandten Institutionen muss sehr wesentlich im Bereich der Lehrerausbildung ansetzen. In den einzelnen Schultypen werden sowohl Spezialisten für Popmusik, als auch eine bessere Basisausstattung aller Musiklehrer hinsichtlich Pop, Rock, Jazz, Improvisation, Tontechnik, Computermusik, kreativ-kompositorische Arbeit, etc. dringend benötigt.
Die Ausbildungssituation bezüglich des qualifizierten Nachwuchses von Instrumentalisten im universitären Bereich kann mit Ausnahme der westlichen Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg als zufriedenstellend bezeichnet werden. Demgegenüber generell schlecht oder gar nicht vorhanden ist das Ausbildungsangebot in zwei zentralen Fächern der populären Musik: Gesang und Songwriting. Ebenso schlecht ist das Angebot hinsichtlich der Aufklärung über die Strukturen des Musikmarkts. Da eine rasche Veränderung von Studienplänen und Unterrichtsinhalten nicht zu erwarten ist, könnten regelmäßig Seminare und Workshops zum zentralen Thema Songwriting veranstaltet werden. Solche Seminare sollen talentierten Songwritern die Möglichkeit geben, bei (international) erfahrenen Komponisten, Textern und Arrangeuren zu lernen, eigenes Material vorzustellen und zu diskutieren sowie die Qualität ihrer Produktionen zu heben und Kontakte zur Industrie herzustellen.
Die Vielfalt der oft mit dem Instrumententenhandel in Verbindung stehenden privaten Kursanbieter wie Gitarren- oder Keyboardschulen, Ausbildungen zum Tontechniker sowie das bunte Angebot verschiedenartigster Workshops im gesamten Bundesgebiet bildet gerade im Popmusikbereich einen wichtigen und nicht zu unterschätzenden Bildungsfaktor. Ein von Seiten des Bundes einzurichtender Fördertopf für interessante Initiativen zur Förderung österreichischer Popmusik im Bereich der Ausbildung müsste daher selbstverständlich auch diesen privaten Kursanbietern offen stehen.
Eine funktionierende Popmusikszene mit qualifizierten Beteiligten fußt nicht alleine auf einer hochwertigen Ausbildung im musikalischen Bereich, sondern setzt auch Qualifizierung im Bereich der Musikpraxis, sprich des Musikgeschäfts voraus. Einerseits können UrheberInnen und MusikerInnen dadurch Einblick in das Musikgeschäft gewinnen und Fehler zu vermeiden lernen, andererseits kann dadurch ein Qualifizierungsprozess im Bereich der Managements und anderer Teilbereiche der Musikindustrie erfolgen.

Popmusikförderung im Veranstaltungsbereich
Die Veranstalter-Expertise belegt, dass die österreichischen Kulturinitiativen und Veranstaltungshäuser für die Popmusikschaffenden über die bloße Ermöglichung von Live-Auftritten hinausgehende infrastrukturelle Ressourcen zur Verfügung stellen. Diese umfassen unter anderem die Nutzung von Proberäumen, die mediale Publizität durch Informationsblätter des Hauses oder Öffentlichkeitsarbeit für Veranstaltungen, die Bereitstellung von Technik sowie Informations- und Beratungstätigkeit. Die Statistiken zeigen, dass es in Österreich rund fünfhundert kleine und mittelgroße Veranstalter gibt, von denen ein Großteil (auch unbekannten) österreichischen Bands die Möglichkeit zu einem Auftritt gibt. Wichtig wäre also zuerst einmal, sich auf die finanzielle Absicherung der vorhandenen Aufführungsstätten zu konzentrieren. In diesem Sinne ist es unabdingbar, dass die Fördergeber (auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene) ihre Budgets, die sie für Kulturentwicklung zur Verfügung stellen, aufstocken. Auch private Sponsoren und halböffentliche Institutionen können einen Beitrag zur verbesserten finanziellen Absicherung der Kulturinitiativen leisten. Mit dem Argument, dass Kulturinitiativen das zeitgenössische Kunstschaffen durch ihr Engagement sowohl im Produktions- als auch im Veranstaltungsbereich besonders fördern, fordern die gemeinnützigen Veranstalter Erleichterungen im Bereich von Steuern und Abgaben zu erhalten.
Veranstaltungsreihen wie -Heimspiel-, -A-Live- oder -Bandbreiten- konnten und können entsprechendes Publikumsinteresse und Medienecho verbuchen. In Kooperation mit österreichischen Veranstaltungshäusern und Initiativen sind weitere bundesweite Veranstaltungsreihen zu konzipieren und durchzuführen. Selbst relativ günstige Eintrittspreise und als Headliner agierende Lokalmatadore können jedoch nur begrenztes Besucherinteresse erzeugen. Will man österreichisches Produkt einem großen potentiellen Publikum präsentieren, heißt es also, den umgekehrten Weg zu beschreiten und mit seinem musikalischen Angebot dorthin zu gehen, wo ohnehin ausreichend Publikum zu finden ist. Eine Roadshow mit österreichischen Künstlern könnte in Einkaufszentren, Einkaufsstraßen, Großkaufhäusern, Stadtfesten und großen Musikfestivals Halt machen und heimisches Repertoire einem großen Publikum präsentieren. Wie erfolgreich eine solche Roadshow sein kann, hat Veranstalter Herbert Kefeder mit seiner Nivea-Sommertour bewiesen, wo mittels Finanzierung durch einen starken Werbepartner heimische Künstler in ganz Österreich ihr begeistertes Publikum fanden.
Wie schon erwähnt sind besonders Auslands-Auftritte und -Tourneen für österreichische KünstlerInnen eine wichtige Erfahrung und oft ein wichtiger Karriereschritt. Durch spezielle Programme müsste der Kulturaustausch zwischen den Staaten forciert werden.
Die Veranstalter stehen einem großen Angebot an Popmusikern gegenüber, aus denen sie die für ihre Veranstaltung passende Acts herausfinden müssen. Die Musiker wiederum benötigen Informationen über potentielle Veranstalter. Eine Navigationshilfe in Form einer Plattform zum Informations-Austausch zwischen den Veranstaltern, aber auch im Besonderen zwischen Veranstaltern und KünstlerInnen wäre hilfreich. Als kostengünstigste Variante bietet sich wie in so vielen Bereichen auch hierfür das Internet an.
Eine gezielte, breite finanzielle Unterstützung von österreichischen Veranstaltern und Kulturinitiativen erfordert entsprechend hohe Budgets, welche erfahrungsgemäß schwer zu lukrieren sind. Mit der Vergabe eines „Veranstalter-Awards" für Veranstalter und Initiativen, die sich im besonderen um die Österreichische Popmusik bemühen und verdient gemacht haben, könnte dennoch ein Zeichen gesetzt und wichtige Impulse gegeben werden.

Popmusikförderung & Medien
Da für die österreichische Musikszene keine unmittelbar nutz- und verfügbaren Medien existieren, ist die multimediale Verzahnung ihres Produkts außer jeder Reichweite. Pragmatisch bedeutet dies: Jegliche Form medialer Wahrnehmung und Reflektion, auch und gerade in Klein- und Kleinstmedien, ist strukturell und individuell zu fördern und zu unterstützen, weil sie immer eine Grundchance zur Darstellung und Verbreitung einer künstlerischen Botschaft bedeutet. Gleichzeitig ist der Illusion, mediale Aufmerksamkeit bedeute schon den halben Erfolg, entschieden auch öffentlich entgegenzutreten.
In Hinblick auf eine Sensibilisierung und die Motivation von Kultur- und im speziellen Musikjournalisten ist an die Vergabe eines Medienpreises für besondere journalistische Leistungen im Bereich der Berichterstattung über österreichische Popmusik zu denken. Die Redaktion der Ö3-Sendung -Rot-Weiß-Rotes-Radio- hat bis zum Jahr 1996 über mehrere Jahre hinweg einen sogenannten Kritiker-Poll als Ranking heimischer Produktionen organisiert. Das Ergebnis des Kritiker-Polls wurde in der Folge veröffentlicht. In Hinblick auf die mediale Wirkung eines solchen Kritiker-Polls in Relation zu den relativ niedrigen Kosten ist die Wiedereinführung zu diskutieren.
In Deutschland haben die Privatradios und der Bundesverband Phono Mitte Dezember 1999 unter dem Titel -Act2000- ein Bündnis zur Schaffung von größeren Chancen für den musikalischen Nachwuchs geschlossen. Durch das Bekenntnis zu einer solchen Radio-Kooperation – in den Bereichen öffentlich-rechtliches, privates und freies Radio - könnte auch in Österreich das Eis zwischen der Musikbranche und dem Rundfunk gebrochen und damit ein Markstein für die Etablierung heimischen Repertoires gelegt werden.
Eine funktionierende Szene erfordert zur Identitätsbildung neben Publikums- und Informationsmedien besonders auch ein Medium zur intellektuellen Auseinandersetzung und zum Diskurs. Als Medium hierfür ist an ein österreichisches Pop-Buch zu denken, das der Selbstreflexion und Standortbestimmung dient.
Wie schon im Kapitel „Lobbying" angedeutet, ist im Rahmen einer mittel- bis langfristigen Bewusstseinsbildung im Sinne der Sensibilisierung von Musikjournalisten für heimisches Repertoire ein ständiger, koordinierter, kompetenter Informationsfluss unabdingbar. Eine auf die Öffentlichkeitsarbeit für Österreichische Popmusik spezialisierte Kommunikationsstelle könnte heimische und internationale Journalisten und Medien kompetent und regelmäßig im Stil einer Nachrichtenagentur mit Informationen versorgen. Als Medium wäre an die Veröffentlichung eines österreich-spezifischen Popmusikmagazins im Internet zu denken.
Mangelnde Präsenz österreichischer Musik in internationalen Musik-TV-Kanälen hat mit der Besitzstruktur und der primären Marketing-Aufgabenstellung der Sender zu tun, aber auch mit einer elementaren Unkenntnis vieler KünstlerInnen und Produktmanager über die technischen und inhaltlichen Kriterien für einen Programmeinsatz. Workshops mit VIVA- und MTV-erfahrenen Österreichern könnten hier einen Beitrag zur Entzerrung des Informationsdefizits bieten. Finanzielle Zuschüsse zu Videoclip-Produktionen wären zumindest diskussionswürdig. Auch hier bietet das Internet à la longue Ausweichmöglichkeiten und ein zunehmend attraktives Alternativ-Medienspielfeld.

Popmusikförderung & Internet
Die Produktion, Distribution, Kommunikation und Rezeption populärer Musik einem tiefgreifenden Wandel. Egal, ob man Schlagworte wie Online-Distribution, MP3, e-commerce, Music On Demand oder Streaming in die Diskussion wirft - grundsätzlich handelt es sich um den allumfassenden Umstieg von analogen Techniken und Strukturen zu digitalen Entsprechungen und Weiterentwicklungen. Noch sind viele Parameter der Digital-Ära unklar - vom Copyright-Schutz bis hin zu funktionierenden e-commerce-Modellen -, eines steht fest: Das Internet ist und wird immer mehr zu einer zentralen Drehscheibe von Kulturvermittlung und -vermarktung. Ein auf Effizienz ausgelegtes Popmusikförderkonzept darf also nicht am Thema Internet als Trägermedium zum Transport von Inhalten, als Medium zur Schaffung einer breiten, internationalen Öffentlichkeit für heimisches musikalisches Repertoire sowie als Kommunikationsplattform vorbeigehen. Gefordert ist die Schaffung einer übergreifenden Internet-Plattform für österreichische Popmusik. Ein Konzept für ein solches Musikportal wurde unter dem Arbeitstitel -musikwelt.at- vom SR-Archiv Österreichischer Popmusik entwickelt und ist als aktive Unterstützung der heimischen Musikszene konzipiert; die Maßnahmen innerhalb der Plattform sollen weit über einfaches Contentproviding hinausgehen.
Neben dem Engagement für ein international zu etablierendes österreichisches Musikportal im Internet kann eine effiziente Musikförderung nicht an weiterführenden Projekten im Bereich Internet vorbeigehen: Die Installierung eines Internet-CD-Shops mit rot-weiß-rotem Repertoire ist dringend anzuraten, da im e-commerce-Bereich immense Zuwachsraten zu verzeichnen sind und der Kosten/Nutzenfaktor absolut stimmig ist. Ein optimierter Internet-Auftritt kann nur im Einklang mit dem Medium stattfinden. KünstlerInnen und Firmen aus der Musikbranche, die das Internet als Marketinginstrument nutzen wollen, brauchen dazu fachkundige Beratung, die ihnen in Form spezieller Kurse oder Lektüre, beziehungsweise auf einer speziellen Homepage geboten werden kann. Ein attraktiv dotierter Internet-Award kann in der Folge die beste österreichische Musiker-Homepage auszeichnen. Ein solcher Preis würde einen enormen Anreiz darstellen, attraktive und repräsentative Homepages zu erstellen. Darüberhinaus wird es notwendig sein, Rechtsberatung für Musiker im Problemfeld Neue Medien anzubieten, um über die aktuelle Rechtslage und daraus möglicherweise resultierende Probleme zu informieren.

Popmusikförderung & Tonträgerindustrie
Die Wichtigkeit der Schaffung lokalen Repertoires bekommt auch in kleineren Märkten für die Major-Companies nach und nach wieder mehr Gewicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig, insbesondere eine Regionalisierung des Musikgeschmacks und die stärkere Betonung der landeseigenen Sprachen scheinen hier eine große Rolle zu spielen. Darüber hinaus gibt es immer mehr Beispiele dafür, dass auch englischsprachiges Produkt aus kleineren Märkten sich international sehr erfolgreich durchsetzen kann. Allerdings gibt es einige grundsätzliche Probleme, mit dem sämtliche Tonträger-produzierende Firmen schwer zu kämpfen haben: Aufgrund der in Österreich fehlenden Strukturen im Bereich des Aufbaus eines Künstlers muss diese Aufgabe sehr oft von den Tonträgerfirmen mitgetragen werden. Die dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen stehen in den meisten Fällen jedoch nicht zur Verfügung. Darüberhinaus gestalten sich die Kosten einer Tonträgerproduktion und Markteinführung nur unwesentlich kostengünstiger als im benachbarten Markt Deutschland, der Markt und somit die zu erwartenden Verkaufszahlen umfassen hierzulande jedoch nur ein Zehntel des deutschen Marktes. Die Mediensituation erschwert die Situation für die Plattenindustrie zusätzlich.
Universal Music hat in den Booklets zu den CDs seiner „Austropop"-Reihe bereits zur Einsendung von neuen „Austropop"-Songs aufgerufen; die CD -Paiper 2000- bringt Austropop-Klassiker in zeitgemäßem Gewand. Mittels einer breit angelegten Kampagne, die durch Medien-Kooperationen breite publizistische Unterstützung erfährt, beziehungsweise in Form eines Singer/Songwriter-Wettbewerbs könnten neue Talente entdeckt und mittels spezieller Sampler-Reihen einem großen Hörerkreis präsentiert werden. Dadurch können sich über einen gewissen Zeitraum wiederum junge Talente in diesem Segment etablieren.
Nach einer Idee von Franz Christian Schwarz (Phoebus Music Group) könnten nach internationalem Vrobild auch in Österreich CD-Compilations für die Gastronomie produziert werden, die neben internationalem Repertoire besonders heimische Kompositionen und Künstler enthalten.
Praktisch alle Fördermaßnahmen in unserem Land konzentrieren sich auf die Überlegung, Anfängern oder Newcomern durch Unterstützung den Einstieg in das Popgeschäft zu erleichtern oder den Mittelbau zu fördern. Wenn jedoch von vornherein klar ist, dass innerhalb dieses Popgeschäfts in Österreich eine gewisse Hürde ohne Unterstützung von außen nicht übersprungen werden kann, füllt sich die österreichische Szene mit immer mehr hoffnungsvollen Newcomern, die dies wohl auch ewig bleiben werden. Ein völlig neuer Ansatz wäre es daher, verstärkt am anderen Ende, also an der Spitze zu fördern. Ein Spitzenförderungsmodell könnte unter dem Oberbegriff Export-Förderung subsummiert werden. Ziel ist es, einem Künstler jene für den internationalen Erfolg notwendigen Mittel sowie die notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die für den Künstler und seine Partner alleine nicht finanzierbar sind.

Popmusikförderung durch Exportförderung
Eines der vorrangigen Ziele eines effizienten Popmusikförderungskonzepts muss es sein, die heimische Popmusik auch über die Grenzen des eigenen Landes hinaus zu transportieren und international zu vermarkten. Einige Länder wie Schweden oder Frankreich zeichnen sich dadurch aus, dass sie eigene Exportorganisationen gebildet haben, um den Export von nationaler Musik zu unterstützen.
Internationale Musikmessen wie MIDEM oder POKOMM sind die kommerziellen Drehscheiben des globalen Musikbusiness. Österreichische Popmusik muss sich in einem solchen Umfeld professionell präsentieren. Eine solche Präsentation kann auf mehreren Ebenen erfolgen, und umfasst die Produktion und Verteilung von Promotion-Samplern, die Produktion und Verteilung von Informations- und Imagebroschüren, die Organisation von Showcases und Livekonzerten sowie gezielte PR- und Werbung. Um die Kosten der internationalen Promotion für Österreichische Popmusik so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich die Konzentration auf einige wenige, aber umso bedeutendere Keymärkte; konkret Deutschland, Japan und die USA.
Zu denken ist weiters an eine TV-Dokumentation, die die gesamte Geschichte der österreichischen Popmusik, vom Beginn und der Hochblüte des Austropop bis zu heute aktuellen Acts, erzählt. TV-Dokumentationen über österreichische Popmusik tragen einerseits zu einem selbstbewussteren Umgang mit der (Pop)Kultur im eigenen Land bei, andererseits könnte damit gezielt Imagewerbung, besonders in den wichtigen Key-Ländern, betrieben werden.
Neben einer Präsentation eines breiten Querschnitts österreichischen Repertoires im Ausland, die einerseits der Imagebildung, andererseits dem konkreten Abschluss möglicher Exportgeschäfte dient, ist an im Sinne einer Spitzenförderung an eine professionelle, strategisch geplante Einführung eines oder mehrerer österreichischer Acts auf dem internationalen Markt zu denken.
Neben Einzelaktivitäten im Bereich internationaler Präsentation nationalen Produkts ist als ein großer Schritt in Richtung weltweiter kommerzieller Verwertung österreichischen Produkts die Gründung beziehungsweise Finanzierung einer Organisation (Arbeitstitel: -Musik Export Austria-) anzustreben.

Weitere Bereiche
In einigen deutschen Städten hat sich ein in der Anfangsphase zwar recht kostenintensives, in der Folge aber ungeheuer effizientes Modell durchgesetzt: Mit Finanzmitteln der Städte wird ein Veranstaltungs- und Kommunikationszentrum gefördert, dass so gut wie alle Bedürfnisse des Nachwuchses im Popmusikbereich zu befriedigen imstande ist. Ein solches Pop-Haus vereint Aktivitäten in den Bereichen Veranstaltung, Proberaummöglichkeit, Gastronomie, Tonstudio, Videostudio, Informationsangebote, Workshops, Instrumentenverleih, kreativer Diskurs und Entwicklung neuer Projekte unter einem Dach und mit einer übergeordneten, koordinierenden Stelle. Es ist auch für Wien, sowie in weiterer Folge für alle Landeshauptstädte die Konzeption, der Aufbau und Etablierung von Pop-Häusern anzustreben. Es ist zu prüfen, ob nicht sinnvollerweise schon bestehende Veranstaltungshäuser mit entsprechender logistischer und finanzieller Unterstützung zu umfassend und zielgerichtet agierenden Pop-Häusern erweitert werden können. Last but not least: Die (nur teilweise) dokumentierte Geschichte österreichischer Popmusik verteilt sich im Moment auf Archive der öffentlichen Hand, in Teilbereichen der Popkultur agierende Organisationen und engagierte Einzelpersonen. Die Zusammenlegung, Erfassung, Analyse und sachgerechte Lagerung von Dokumenten, Tonträgern, Bibliotheken und Zeitungsarchiven zu einem umfassenden, kompletten Archiv österreichischer Popmusik garantiert eine enzyklopädische Information und bewahrt die Sammlungen vor Auflösung, Zersplitterung und physischem Verfall.

 
     
 
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